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Was darf ich essen bei Schwangerschaftsdiabetes? Rezepte und Beratung

Seit 2012 wird vom Frauenarzt routinemäßig in der 23.-27. Woche der Schwangerschaft ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes durchgeführt. Da der Test eine gewisse Ungenauigkeit hat, wird er – bei auffälligem Befund – zur Absicherung bei einem Diabetologen wiederholt. Wer dann, so wie ich, Pech hat, erhält plötzlich die Diagnose: „Gestationsdiabetes“ mit folgenden Auswirkungen:

  1. Nicht mehr schlemmen wie bisher und sich den Gelüsten einer Schwangeren hingeben.
  2. Blutzucker messen nach jeder Mahlzeit und Buch darüber führen.
  3. Man hat von nun an eine Risikoschwangerschaft, die sorgfältiger überwacht wird.
  4. Damit ist die Entbindung nur noch in einer Klinik mit Perinatalzentrum möglich.
  5. Möglicherweise muss man Insulin spritzen.
  6. Vor allem muss man sich von einem Diabetologen aufklären, beraten und schulen lassen.

Mehr über Schwangerschaftsdiabetes, meine persönlichen Erfahrungen & Ernährungstipps könnt ihr weiter unten lesen. Hier schreibe ich erstmal etwas in Bezug auf Essen (die Stadt versteht sich).

Normalerweise erhältst du gleich nach dem Vortest beim Frauenarzt von ihm auch eine Überweisung und Adressen von Diabetologen in deiner Nähe. Falls das nicht geschehen ist, kannst du hier Diabetologen in Essen finden.
Jede Arztpraxis mit diabetologischem Schwerpunkt kann einen Gestationsdiabetes behandeln und eine Ernährungsschulung durchführen. Einige Praxen erwähnen darüber hinaus auf ihren Seiten die Schwangerschaftsdiabetes ausdrücklich, wie z.B.

Ambulantes Diabeteszentrum
am Elisabeth-Krankenhaus
Herwarthstraße 102
45138 Essen
0201.43 64 57-0

Selber war ich in folgender Praxis, in der ich mich gut beraten & betreut fühlte. Man versuchte, mir die Angst zu nehmen und im angeschlossenen Diabetesschulungscenter wurde ich kompetent und einfühlsam in den Gebrauch des Messgerätes und die Ernährungsumstellung eingewiesen.

Dr. med. Peter Berndt
Huestr. 111
45309 Essen
0201.210031

Gegen Ende der Schwangerschaft war mir allerdings die Fahrt dorthin zu beschwerlich und ich ließ meinen Diabetes im Uniklinikum in Holsterhausen kontrollieren. Dort wurde ich von einer sehr netten Diabetesberaterin weiter betreut, die mir auch viel Mut machte und mich psychisch gut stützte.

Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen
Hufelandstraße 55
45147 Essen
0201 .7 23-63 03

Wieso nun der ganze Aufwand?  Ein Schwangerschaftsdiabetes bedeutet vereinfacht gesagt, dass es unter dem Anstieg der Hormone im zweiten Teil der Schwangerschaft zu einem Insulinmangel kommt. Die Hormone sorgen dafür, dass vermehrt Zucker ins Blut gelangt. Das ist erstmal gut, denn so wird ausreichend Energie für Mutter & Baby bereitgestellt. Bei einem Insulinmangel ist das jedoch nicht mehr so gut. Denn:

  • Insulin wird von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert und ist sowas wie ein Türöffner bei Zellen, mit dem sie Zucker aufnehmen können.
  • Ein Insulinmangel entsteht nun entweder, weil die Bauchspeicheldrüse nicht mehr nachkommt mit ihrer Insulinproduktion oder weil die Zellen nicht mehr so gut auf Insulin ansprechen.
  • Ist zu wenig Insulin da, verbleibt ein Großteil des Zuckers im Blut. Deshalb müssen betroffene Schwangere nach jeder Mahlzeit ihren Blutzucker messen.
  • Ist der Blutzucker dauerhaft zu hoch, hat das Folgen für das Baby:
    • Einerseits besteht die Gefahr, dass es mit Zucker quasi „gemästet“ wird und damit zu groß & schwer für eine natürliche Geburt wird.
    • Andererseits können auch Stoffwechselschäden beim Baby entstehen, wenn dessen Bauchspeicheldrüse den Insulinmangel der Mutter ausgleicht und deshalb übermäßig viel Insulin produziert. Dadurch kann nach der Geburt die Gefahr einer Unterzuckerung drohen, weil der Körper der Mutter keinen Zucker mehr zur Verfügung stellt.
    • Daneben gibt es noch weitere Risiken, über die man sich z.B. beim Ratgeber der Apothekenumschau gut informieren kann. Aber keine Panik!

Ein Schwangerschaftsdiabetes ist keine schöne Diagnose. Aber zum Glück auch keine Tragödie. Das ist einfacher gesagt als gefühlt. Als ich die Diagnose bekam, war ich anfänglich noch recht cool und dachte, dass es ja nur gut ist sich so gesund wie möglich zu ernähren. Durch das andauernde Zuckermessen und die häufigeren Kontrollen fühlte ich mich jedoch irgendwann nicht mehr gut und begann mir Sorgen zu machen. Unbegründet wie sich herausstellte, denn durch die strenge Diät ist alles gut gegangen für uns beide.

Wie kann so eine Diät aussehen? Welche Empfehlung für die Ernährung kann ich geben?

  • Die Ernährung sollte ab dem Zeitpunkt der Diagnose so zuckerfrei wie möglich sein.
  • Die Negativliste: Kaum noch Süßigkeiten. Aufpassen bei Obst & Säften (Fruchtzucker). Den Zuckergehalt der Lebensmittel kontrollieren. Wenig Fertigprodukte (weil meist gesüßt). Dinkel vor Weizen.
  • Die Positivliste: Ganz viiiiiel Salat, am besten schon zum Frühstück, denn jede Form an Ballaststoffen verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten in den Blutkreislauf. Viel Fett, z.B. hochwertige Öle, wie Oliven- und Leinöl oder Fisch. Dadurch erhält das Baby zusätzlich noch die „guten“ Omega-3-Fettsäuren. Viel Gemüse.
  • Wichtig: Da jeder Körper individuell unterschiedlich reagiert, kann man keine allgemeingültigen Empfehlungen geben. „Essen & Messen“ lautet die Devise, d.h. selber feststellen, welche Lebensmittel den Blutzucker schnell ansteigen lassen und welche das nicht tun.
  • Bei mir: Ich habe im Laufe der Zeit meinen persönlichen Ernährungsplan aufgestellt, der in etwa wie folgt aussah:
    • Frühstück: Knäckebrote mit Erdnussbutter (die „bio“ von real, denn die hatte keinen Zuckerzusatz). In der süßen Variante mit Zartbitterschokolade (weniger Zucker als Vollmilch), in der herzhaften mit Currypulver und Gurkenscheiben. Dazu ein kleiner Salat mit Salat- und Leinöl (von bio planète, sehr hochwertig), mit Avocado (keine Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel, aber reich an Vitaminen und Fettsäuren. Oder süß mit Mandelmus (ist teuer, aber lohnt sich, weil zuckerarm) bei mir als Ersatz von Quark mit Fruchtaufstrich (von Veronique Witzigmann, bei real oder Amazon, haben relativ wenig Zucker).
    • zwischendurch: Avocados, Naturjoghurt (Achtung: Milchzucker!) mit Beerenobst (weniger Zucker als Bananen), Granny Smith Äpfel (weniger Zucker als die roten Äpfel) – schmeckt man, aber sauer macht lustig, kleine Stücke Zartbitterschokolade, Knäckebrote, Möhren, Gurken, Diabetikereis aus der Eisdiele meines Vertrauens, Sahne – selbst geschlagen ohne Zucker, selbstgemachtes Himbeereis (eigentlich nur mit etwas Joguhrt pürierte und tief gefrorene Himbeeren), dazu die Sahne, gaaaanz viel Mineralwasser, wenn Saft, dann nur als Schorle (1:6), viel Tee, Alpro Soya Ganze Bohne als Milchersatz (nur 0,1g Zucker pro 100g, schmeckt nicht jedem, aber ich mag es gerne)
    • Mittagessen: Großer Salatteller mit viel rohem Gemüse: Rucola, Feldsalat, geriebene Möhren, Gurkenscheiben, Tomaten, Paprika, Avocado, vegetarisch mit Tofu oder Ziegenkäse, Fetakäse, Mozarella (reich an Proteinen, aber arm an Zuckern) mit Vollkornbrot.
    • Abendessen: Dinkel-Vollkorn-Nudeln mit viel Gemüse und Salat, Tofu, Seelachs gebraten, Hühnerfleisch, vegetarisches Sushi, absoluter Liebling: Quiche mit Vollkornmehl oder Vollkornmehl-Pizza ebenfalls mit viel Gemüse, hart gekochte Eier.
    • Wichtig: Die Kohlenhydrate nicht soweit reduzieren, dass der Körper auf Fettverbrennung umschaltet. Denn dadurch werden im Körperfett gelagerte Gifte freigesetzt, die dem Baby schaden können.
    • Auswärts essen gehen: In manchen Eisdielen gibt es spezielles Diabetikereis. Geht man abends in ein Restaurant sollte man am besten immer den Salatteller mit Essig und Öl wählen. Bei Suppen & Dressings ist Vorsicht geboten, denn diese enthalten meistens viel Stärke zum Andicken oder Zucker. Im Zweifelsfall ist es immer gut, man erkundigt sich. Kann keine Auskunft gegeben werden, besser nicht essen. Hat man seinen Diabetes gut im Griff, dann ist es sicherlich tröstlich zu hören, dass man sich auch (aber wirklich nur ab und zu) die ein oder andere Entgleisung erlauben kann. Also einmal eine Pizza beim Italiener und der Blutzucker ist danach zu hoch, bedeutet noch keine Gefahr. Nur nicht jeden Tag bitte!
    • Manchmal liest man besser mehrere kleine Mahlzeiten als drei große. Meine Ernährungsberaterin fand diesen Ratschlag aber nicht so gut. Ich habe ihn trotzdem befolgt und kann nur jeden ermutigen, seinen eigenen Weg zu finden.
  • Nach jeder großen Mahlzeit habe ich mich viel bewegt (z.B. Spazieren gehen oder Staubsaugen ;-)), um so den Blutzuckerspiegel rasch abzubauen.
  • Nach der Schwangerschaft wog ich 5 Kilo weniger als vorher. Das fand ich eigentlich gut, war aber nicht im Sinne des Erfinders, denn ich hätte nicht abnehmen sollen (s. Fettverbrennung oben).

Das Gute zum Schluss: Ich habe in der Zeit unheimlich viel über gesunde Ernährung gelernt. Ich weiß jetzt, dass ich dauerhaft auf mein Gewicht achten muss, um mein Risiko zu verringern im Alter an Diabetes zu erkranken. Wenn jemand Diät-Tipps braucht: Ich habe reichlich davon! Und: Für mein Baby waren die ganzen hochwertigen Nährstoffe bestimmt nicht schlecht!
So lecker kann krank sein: Rucolasalat mit Avocado, Ziegenkäse, Paprika, Gurken, Radieschen mit Lein-/Olivenöl, frischen Gartenkräutern und Nusstopping. Dazu (etwas karg sieht’s aus) zwei Scheiben Knäckebrot.

Beispiel für ein Gericht bei Schwangerschaftsdiabetes
 

Und hier wie immer noch das obligatorische Video, diesmal zwei, u.a. vom Institut für Diabetesforschung in Münster (IDFM):

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