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Nur ein kleiner Fisch? #bloggerfuerfluechtlinge

„Ich bin zwar nur ein kleiner Fisch…“ Das habe ich inspiriert durch die Krümelmucke gedacht, als ich überlegt habe, ob ich auch etwas zum Thema schreiben soll. So ein großes Thema und so ein kleiner Blog! Ein kleiner Fisch im Ozean. Da mir fallen sofort die Bilder aus den Medien ein, die vielen Boote im Mittelmeer, die vielen LKWs. Furchtbar. Ich bin ein kleiner Fisch, vielleicht, aber ich habe es hier ziemlich gut. Eben kein großer Ozean, sondern eher eine Badewarme mit lauwarmen Wasser und Lavendelduftaroma.

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Man, geht’s mir gut. Ich kann hier in Ruhe meinen Blog schreiben, was mir viel Freude bereitet, ich habe ein gesundes Kind, einen tollen Partner und Vater meines Kindes, genügend zu Essen und zu Trinken, kaum Zukunftssorgen. Wenn ich so weiterdenke, werde ich wehmütig. Da ist keine Angst, man könnte mir was wegnehmen. Eher die Beunruhigung, dass andere Menschen, auch solche, die gerade Mama geworden sind oder werden, schlimm leiden müssen. Das hebt im Moment alles für mich nochmal auf eine andere Stufe. Denn als Mama liebe ich mein Kind, und es soll verdammt nochmal alle Chancen dieser Welt für sich haben. Mir fallen die Geschichten meiner Oma vom Krieg ein, vom zerbombten Leipzig, von der Flucht in den Westen, von Leid und Hoffnung. Auch ich, ich bin damit irgendwie ein (deutsch-deutsches Flüchtlingskind). Ich bin meiner Oma dankbar, dass sie damals entschieden hat, die schlimme Ernährungssituation im Osten, wodurch zwei ihrer Kinder in frühen Lebensmonaten verstorben sind, nicht mehr länger zu ertragen. Dass sie bei Nacht und Nebel in den Westen aufgebrochen ist, ohne Job, ohne Unterkunft, einfach neu angefangen hat. Mir kommen die Tränen… Das hier wollte ich eigentlich gar nicht schreiben, viel zu privat, viel zu bewegend für mich. Denn ohne diese Entscheidungen gäbe es mich womöglich gar nicht, gäbe es vielleicht auch meine Mutter nicht. So ein großer Mut. Meine Oma konnte sich aber gewiss sein, dass der Weg nicht weit, die Situation im Westen gut war und dass dort ihre Sprache gesprochen wurde. Nicht auszudenken, ich müsste heute einfach los, alles Vertraute hinter mir lassen, alles abbrechen, weil mein Leben bedroht würde.

Also, ich = nur ein kleiner Fisch? Mag sein und trotzdem fühle ich mit. Vielleicht ist das schon was. Dass ich auch etwas für das Kaufhaus im Flüchtlingsheim gespendet habe, erscheint mir da nur marginal. Man könnte noch viel mehr tun. In Essen und anderswo. Was das ist, das möchte ich mir in einem anderen Beitrag anschauen. Um mir dann hoffentlich bei der ein oder anderen Gelegenheit in den Hintern oder den Schweinehund zu treten und weiterhin irgendwie am Thema dran und aktiv zu bleiben.

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