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Die Oktorail Modellbahnausstellung in der Gruga

Regenwetter, blöööööd! Auf der Rückfahrt von der Tagesbetreuung quer durch die Stadt mache ich mir so meine Gedanken über die Nachmittagsgestaltung. Warum auch immer, plötzlich fällt mir das Oktorail in der Gruga ein. Ein bisschen Modelleisenbahn schauen und dann vielleicht noch eine klitzekleine Runde durch den Regen laufen – das passt heute ziemlich gut in den Tag.

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Ich muss zugeben, dass ich noch nie im Oktorail war. Im Juni 2014 hat es eröffnet, aber ich habe ich es irgendwie nie geschafft. Ein wenig liegt das auch daran, dass ich dort bisher gefühlt eher wenig Besucher wahrgenommen habe, was den Effekt nicht hinzugehen bei mir leider verstärkt hat. Kann ja sooo interessant nicht sein, wenn „keiner“ hin geht…
Und das, obwohl ich meine alte Märklin-Eisenbahn sehr geliebt habe, fast mehr die kleinen Miniaturwelten darum herum. Und heute bin ich ein großer Fan von Slinkachu, der kleine Modellbahnfiguren – die „Little People“ gekonnt inszeniert. Alles gute Gründe, Oktorail zu besuchen, der beste aber sitzt gerade auf der Rücksitzbank im Auto und erzählt vor sich hin.

Heute denke ich also anders, fahre in die Gruga und stelle mich an die Kasse. Da diese gerade nicht besetzt ist, klingel ich und wenig später erhalte ich meine Eintrittskarte, das Ruhrkind darf netterweise sogar umsonst rein *freu*.

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Und los geht unsere Reise: Wir steigen in einen Bahnwaggon, der sodann losfährt. Es ruckelt und zuckelt, zischt und tutet und das Ruhrkind quietscht vor Vergnügen, entgegen der Warnung, dass es vielleicht Angst haben könnte. Die Bewegungen sind durchaus nicht ohne. Ich halte das Kind gut auf meinem Schoß fest und wir brausen durch die Landschaft.

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In den Fenstern des Waggons wird ein Film gezeigt, eine Zeitreise durch die Jahrzehnte zurück in die 60er Jahre. Die Jahre 2000, 1990, die 80er, 70er und die 60er ziehen an uns vorbei. Ich nehme Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Viva, CDs und Boris Becker & Steffi Graf in den Augenwinkeln war. So ganz bekomme ich nicht mit, was da gezeigt wird, ich bin zu beschäftigt mit dem glucksenden Kind, das bei jedem Holterdipolter loslacht. Die Zeitreise erschließt sich mir leider nicht ganz, aber wir hatten großen Spaß im Eisenbahnwaggon! Nach geschätzt 3 Minuten „Fahrt“ sind wir „angekommen“ und steigen aus.
Willkommen in der Miniaturwelt im Jahre 1965 – es geht los!

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Wir schlendern also durch die Ausstellung und sehen das frühe Ruhrgebiet mit Kohletransport durch Pferde an der Ruhr entlang (noch viel früher als in den 60ern), sehen ein Bergwerk und Stahlwerk in der Blütezeit.

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„Ui“, „Ah“ oder Oh“ macht das Ruhrkind und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Da fährt ein Zug. Und nicht nur einer. Kaum ist der eine weg, kommt auch schon der nächste. „Und dort, da auch! Siehst du?“ „Tutut, tutut“ – herrlich das Zuggeräusch für ein knapp zweijähriges Kind… Und es gibt ja nicht nur Züge zu entdecken, sondern auch eine Kirmes, …

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… einen Zirkus, …IMG_2227

…. Alltagsszenen, …IMG_2228

… und „huch, was macht das Zebra da auf der Weide?“IMG_2231

Thematisch geht es um den Strukturwandel im Ruhrgebiet versinnbildlicht an der Stahlproduktion für den Automobilbau von 1965 bis heute und von Deutschland bis Italien.

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Mehr ruhrgebietsbezogene Panoramen und lokalen Bezug wie z.B. die kleinen Bergmänner hier hätte ich mir dennoch gewünscht…

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Vielleicht mit ein Grund, warum Oktorail auf „geteiltes Echo“ bei den Besuchern stößt. Was da beim Ruhr.Tourismus noch vor der Eröffnung angepriesen wird, kann ich leider nicht wiederfinden.

Aber, das Wichtigste: Wir haben wirklich riesigen Spaß im Oktorail! Nachdem wir die kurzweiligen Modellbahnwelten durchlaufen erwartet uns das Beste: Die gesamte obere Etage ist ein Spielbereich.

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Eine riesige Brio-Eisenbahn, eine Duplo-Eisenbahn und ein paar elektrische Züge zum selber steuern – das macht dem Ruhrkind richtig gute Laune.

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Da nur wenige andere Besucher anwesend sind, fühlt sich der Spielbereich fast wie ein VIP-Bereich für uns an. Ein anderes ältere Kind weist das meine in die Kunst des Modellbahnfahrens ein und ich setzte mich auf den grünen Spielteppich und beobachte den Regen und ein paar Hartgesottene bei ihrem Spaziergang.

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Jetzt habe ich Lust auf einen Kakao und was zu essen – leider gibt es nur einen Getränkeautomaten und sonst nichts. Allerdings einen Essbereich, in dem wir uns niederlassen und unsere eigene Verpflegung snacken.

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Auch eine Toilette vermisse ich hier oben… Weiteres Manko: Mit dem Kinderwagen hätte man nur zu zweit reelle Chancen in die zweite Etage zu kommen. Wir lassen unseren Buggy einfach unten stehen und gehen zur Fuß hinauf.

Irgendwann beschließe ich zu gehen, das Ruhrkind zeigt sich „not amused“, sieht dann aber doch ein, dass es wohl besser ist mitzugehen als alleine zu bleiben. Die Zeit habe ich irgendwie vergessen. Ich würde schätzen so anderthalb Stunden haben wir hier verbracht. Und: Wir werden wiederkommen. Trotz ein paar Schwächen war es für uns ein sehr schöner Besuch. Wir haben zusammen gestaunt und in Ruhe gespielt.

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Den Snack, den ich vermisst habe, gönne ich mir anschließend in Form einer Waffel in der Bar nebenan. Da gibt es ja auch eine Toilette mit Wickeltisch. Alles gut. Die Oktorail-Eintrittskarte ist eine Tageskarte, d.h. man kann rein und raus wie man lustig ist. Erst ein bisschen Eisenbahn schauen, dann Waffel essen nebenan und Frischluft schnuppern, und anschließend nochmal oben Eisenbahn spielen. Wer allerdings keine Dauerkarte für die Gruga besitzt, muss zusätzlich zum Oktorail-Eintritt noch Eintritt in die Gruga zahlen (s. Preise unten). Es gibt übrigens auch die Möglichkeit für Kinder ab 5 Jahren, hier Kindergeburtstag zu feiern (weitere Informationen hier, Anfragen unter kindergeburtstag (at) oktorail.de).

Fazit: Wenn man den Teufel nicht im Detail sucht und auf die Schwächen vorbereitet ist (z.B. eigene Verpflegung mitnehmen; damit rechnen, dass man den Kinderwagen unten stehen lassen muss), kann man sich hier einen schönen Nachmittag machen!

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Und ihr? Auch schon da gewesen?

Oktorail im Grugapark Essen
„Eingang Orangerie“
Virchowstraße 167
45147 Essen
0201 .45185955
info (at) oktorail.de

Öffnungszeiten
Mo nur für Gruppen nach Anmeldung
Di-So 10-18 Uhr

Eintrittspreise (+ zusätzlicher Eintrittspreis in die Gruga)
Kinder bis 6 Jahre: 1 Euro (+ frei)
Kinder ab 6 Jahre: 3,40 Euro (+ 1,20 / 2,50 Euro)
Erwachsene: 3,90 Euro (+ 4 Euro)
Familienkarte (2 Erw. + 3 Kinder): 14,90 Euro

Liebe Grüße

Ruhrmama Sign

4 Kommentare

  1. Simone sagt

    Ich habe mich bei unseren Besuchen im Gruga-Park schon oft gefragt, was einen in der Ausstellung erwartet. Aber auch uns hat der verwaiste Eindruck bisher immer abgehalten. Schade eigentlich, wie ich nach deinem Artikel feststellen muss.

    • Hallo Simone, dann geht es offensichtlich ja nicht nur mir so. Aber vielleicht klappt es ja noch mit einem Besuch und ihr könnt euch einen eigenen Eindruck verschaffen…
      Liebe Grüße!

  2. Eva-Maria sagt

    Uihh, soviel Platz zum Spielen, doch besser als der „Arme-Leute-Sandkasten“ bei der Tante.
    Das schwarz-weisse Bild vom Ruhrkind erinnert mich stark an Gullivers Reisen, ein ganz klein bisschen spooky…
    Liebe Grüße von der Tante

    • Ach was, das war doch ein Super-Sandkasten! Hätte nicht gedacht, dass es soviel Spaß macht mit kinetischem Sand :-)
      Spooky wirkt das wahrscheinlich, weil wir dort ja fast alleine waren… LG zurück!

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