Reisen, Unterwegs
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Kurzurlaub mit Kind und Airbnb in Berlin

Geschäftsreisen sind bei uns nicht unüblich und so kommt es hin und wieder vor, dass der Ruhrpapa Zeit in der Hauptstadt verbringt. Meist sieht er dabei nicht viel außer Bahnhöfen und Seminarräumen, während mich die Sehnsucht nach Berlin packt. Endlich mal wieder hin, auf diese Gelegenheit habe ich schon länger gewartet! Wie hat sich Berlin verändert, seit ich das letzte Mal zusammen mit einer Freundin da war? Fühlt es sich im Prenzlauer Berg wirklich so schrecklich hip und kinderfreundlich gleichzeitig an, wie ich immer in der Zeitung lese? Ich war also neugierig und wartete schon länger auf eine günstige Gelegenheit, die plötzlich schneller als erwartet kam und so haben wir spontan entschieden: Diesmal fahren alle zusammen. 4 Tage von Donnerstag bis Sonntag mit dem Zug.

Die Anreise

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Nach Berlin kann man von Essen in knapp 4 Stunden mit dem ICE fahren. Das ist zumindest in der Theorie komfortabler als mit dem Auto anzureisen, denn man kann Sitzplätze im Kleinkindabteil reservieren und läuft keine Gefahr im Stau zu stehen. Theoretisch, denn auf der Hinfahrt war unser Wagen mit dem Kleinkindabteil schlichtweg nicht da, es fehlte ein ganzer Zugteil. Damit waren unsere reservierten Sitzplätze hinfällig und der Zug entsprechend voll. Gibt schöneres als sich mit einem rebellischem Kleinkind auf zwei Sitzplätze zu quetschen, die man ja auch erstmal finden muss. Auf der Rückfahrt ist zum Glück alles gut gegangen, der Zug war vollständig, es gab keine Verzögerung und wir hatten sehr viel Spaß. So ist es natürlich ideal. Man kann sich im Bordbistro als Reisender mit Kind übrigens ein kleines Geschenk abholen, z.B. einen kleinen Spielzeugzug, ein Memory oder ein Reisekritzelheft mit Bundstiften. Dadurch verging die Zeit eindeutig schneller :-)

Die Unterkunft

Mit der Idee einer Berlinfamilienreise waren wir sehr spontan: Am Wochenende entschieden, am Montag gebucht und am Donnerstag gefahren. Das wird bestimmt nix, dachte ich erst, schließlich brauchen wir noch eine (kindergeeignete) Unterkunft. Ein guter Anlass, endlich mal Airbnb auszuprobieren. Für alle, die Airbnb noch nicht kennen, das ist ja dieser Online-Marktplatz, bei dem Menschen auf der ganzen Welt ihre (privaten) Unterkünfte für Reisende anbieten. Airbnb war also Premiere für uns, sodass wir sehr gespannt waren, was uns bei unserer Unterkunft erwarten würde. Und, wow, wir hatten ein riesen Glück! Unsere Wohnung hatte alles, was das Kinderherz begehrt: Zwei Kinderbetten, jede Menge Spielzeug, einen Hochstuhl, eine Kinderküche, Badewannenspielzeug, einen Hinterhof zum Spielen. Sehr sauber und charmant noch dazu, ein Altbau mit hohen Decken und kleinem Balkon.

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Die Unterkunft kann ich jedem, der mit Kind nach Berlin reist nur empfehlen und wer mag, der schreibt mich einfach an, dann erfahrt ihr mehr. Die Vermieterin haben wir persönlich nicht kennengelernt und trotzdem hat alles reibungslos geklappt. Unsere erste Reise mit Airbnb, ein Glückstreffer!

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Pankow, familienfreundlicher Kiez!

Unsere Wohnung lag in Pankow und das Einzige, das ich vorher damit in Verbindung gebracht habe, war der „Sonderzug“ von Udo Lindenberg. Pankow hat mich ja total für sich gewonnen. In nicht einmal vier ganzen Tagen sieht man natürlich immer nur Bruchteile, aber sollte ich irgenwann mal nach Berlin ziehen, dann nach Pankow, soviel ist klar. Na gut, das wird wahrscheinlich nicht passieren, aber sollte ich nochmal nach Berlin reisen, dann… PANKOW! Unsere Wohnung lag in unmittelbarer Nähe zu einer S-Bahn-Station, die Verkehrsanbindung war optimal.

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Ohne mich auszukennen, habe ich sofort schöne Plätze und ganz viel Natur entdeckt. Meine persönlichen Hotspots zum Weiterempfehlen:

1) Ausflug in den Bürgerpark und die Schönholzer Heide

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Der Zugang zum Park lag direkt am Ende der Straße, in der wir gewohnt haben und es hat keine fünf Minuten gedauert und wir waren im Grünen. Und grün meint wirklich grün!

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Hier gibt es auch ein Vogelgehege und den Kinderbauernhof Pinke-Panke, ein großer Aktivspielplatz mit Werkstatt, Bauspielplatz, Tieren und Pflanzen. Besucht den unbedingt!

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Pankow ist übrigens nach der Panke benannt, einem kleinen Nebenfluss der Spree, der die Parkanlagen quert. Naherholung pur!

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Während das Ruhrkind schläft, machen wir Rast in einem Biergarten und freuen uns über dieses schöne Fleckchen Erde.

2) Essen gehen beim Mexikaner „La Paz“ an der Florastraße

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Die Florastraße in Pankow ist ein Kiez für sich und bietet allerhand Kinderfreundliches. Hier liegt auch der Mexikaner „La Paz“ mit kleiner Spielecke, Hochstühlen und leckeren Köstlichkeiten von Fajita und Enchiladas über Burritos bis zu Nachos, Tacos und Quesadillas. Super mit Kindern! Direkt nebenan liegt auch das wundervolle „Café Paula„, mit schönen Räumen aus der Jahrhundertwende und tollen Frühstücksangeboten.

3) Besuch der Floragärten

Man kann sich in Pankow wunderbar durch die grünen Straßen mit den breiten Bürgersteigen treiben lassen und so haben wir per Zufall die „FLORA“ entdeckt.

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Da ich mich immer sehr für Stadtentwicklung interessiere, war das super spannend für mich, denn bei der FLORA handelt es sich um einen Stadtteilplatz, der von einer Entwicklungsgesellschaft geplant und mit Townhouses, Lofts und Wohnungen bebaut wurde. Im Endeffekt natürlich ein Projekt, mit dem Geld verdient werden soll, aber ein besonders gelungenes wie ich finde. Ich mag die Ausstrahlung dieses Viertels, obwohl ich Neubauviertel nie besonders charmant finde. Es ist vor allem die Vielfalt der Architektur (die Fassaden sehen alle irgendwie anders aus), die Integration in die übrige Bebauung und die Anordnung um einen zentralen öffentlichen Platz mit Sitz- und Spielgelegenheiten (u.a. „Baudine“ (Ruhrkindwort für „Trampolin“), die ich nachahmenswert finde. Ein Kiez im Kiez wurde hier geschaffen.

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Parkende Autos sind verbannt, der Tiefgaragenzugang wirkt hell und freundlich.

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Kleine „Slow“-Männchen weisen auf die Tempo-5-Zone hin.

Zum Vergleich hier das Essener Univiertel, ebenfalls ein Neubaugebiet, auch höherpreisige Eigentumswohnungen, aber wirkt auf mich viel eintöninger und langweiliger. Leider, obwohl ich es nicht schlecht reden möchte…

Liebe Essener Stadtentwicklung, schau dich doch bitte mal im Flora-Kiez um und plane wenigstens die Wohnbebauung an der Henri-Dunant-Straße einfach mal anders als Einheitsbrei. Aber zu spät :(

Ein Tag Prenzlauer-Berg-Mama sein

Nicht nur Pankow haben wir erkundet, sondern auch den Prenzlauer Berg. Ein Must-Go für mich! Ich war neugierig auf die Latte-Macchiato-Mamis, die „schlank, hübsch, verhasst“ sind (Süddeutsche.de). Ähnlich wie Elena Senft, Brigitte-Autorin, habe ich den Selbstversuch gestartet „Mutter für einen Tag“. „Wie es ist, Mutter in der hippen Prenzlauer-Berg-Gemeinschaft zu sein?“ (brigitte.de). Wie anders sind die“Prenzlauer-Berg-Muttis“, den ganzen Klischees nach zu urteilen? Fazit: Null-Komma-Garnichtig. Der Prenzlauer Berg hat mich assimiliert, ich ging unter zwischen den anderen Müttern. Fiel nicht auf mit meinem Fjäll Räven und den Birkis. Ja, ich gebe zu: Ich bin anscheinend auch eine Latte-Macchiato-Mum, mein Kind kann „Sojamilch“ sagen und ich trinke eigentlich ausschließlich Latte Macchiato. Ich konnte hier wenig Unterschiede erkennen zwischen Rüttenscheider- oder Prenzlauer-Berg-Kinderwagen. Der Second-Hand-Laden „Findus“ hat auch nichts anderes als der „Kids Jungle„. Auf unserem Stammspielplatz hören wir auch Spanisch und Französisch – allerdings auch türkisch – das hat hier tatsächlich gefehlt. Das „Postulat der Selbstoptimierung“ (weibblick.de), das sich unter anderem in einer hohen Dichte an Yogastudios zeigt,  nehme ich in Rüttenscheid genauso wahr. Nur ein Coworking-Toddler fehlt …

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Ganz ehrlich, ich verstehe die Aufregung nicht ganz, dafür bin ich wohl zu prenzlauerbergisch. Vermutlich ist es der Kontrast zu anderen Stadtteilen und Gegenden (nicht nur) Berlins, der natürlich heftig ist und soziale Unterschiede mehr als deutlich macht. Apropros Unterschiede, da wäre auf jedenfall noch mein Lieblingsthema „Bebauung“ anzusprechen.

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Die vielen Bauten aus der Jahrhundertwende sind im Zuge der Gentrifizierung des ehemaligen Ostberliner Künstlerviertels (vgl. Zeit.de) aufgehübscht worden und aufgrund ihrer Vielzahl beeindruckend. Sie geben dem Viertel zusammen mit den schönen Plätzen eine große Lebensqualität. Spielplätze an jeder Straßenecke, kinderfreundliche Lokale, hier kann man gut und gerne bleiben, ohne jemals den Kiez zu verlassen. Meine Tipps:

1) Spielplatz am „Helmholtz-Platz“, mit Wasserpumpe: Herrlich zum Toben und Plantschen. Den Latte-Macchiato dazu holt man sich am besten im Café „Mein Kiezkind“, da kann man natürlich auch bleiben, denn es gibt u.a. einen beheizten (!) Innen-Sandkasten ;-) Weitere schöne Eltern-Kind-Cafés im Prenzlauer Berg findet ihr bei qiez.de.

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2) Essen gehen am Käthe-Kollwitz-Platz, z.B. beim Griechen „Berkis“ (hat Hochstühle reichlich), aber es gibt genügend Alternativen. Hier ist ebenfalls ein schöner eingezäunter Spielplatz und eine Wiese zum Picknicken.

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3) Sich nicht auf sein Handy setzen: Ohne Witz, die Ruhrmama hat sich am Helmholtzplatz doch tatsächlich auf ihr Smartphone gesetzt. Das Display war sofort schrott und da ich mit dem Ruhrpapa später an unbekannter Stelle verabredet war, hatte ich ein ernsthaftes Problem. Alle meine Kontakte sind nämlich ausschließlich im Handy, nicht im Kopf. Da mir kein einziger Handy-An- und Verkauf über den Weg gelaufen ist, bin ich also quer durch den Prenzlauer Berg, habe mich bis zu einem Medimax durchgefragt („Ick bin nich von hier, ick komm‘ aus Kreuzberg!“) und dort das günstigste Handy mitgenommen. Ab da war erstmal Schicht im Schacht mit „Prenzlauer-Berg-Mutti“. Daher mein Tipp ;-) Alle anderen Plätze, die ich noch gerne aufgesucht hätte, verrät euch stadtlandmama.de

Ausflug nach Potsdam

„Mit Potsdam verbinden die meisten Besucher prunkvolle Schlösser, kleine Märchenpaläste und weitläufige Parkanlagen.“ (potsdamtourismus.de). Ganz genau das habe ich mir vorgestellt und wollte ich mir ansehen und so haben wir unseren gemeinsamen Familientag des Kurzurlaubs für einen Ausflug nach Potsdam genutzt. Eigentlich war der Plan, nur kurz nach Potsdam zu fahren und uns ein bisschen umzuschauen, um dann noch entspannt am Wannsee rumzulungern. Die Badehose war auch eingepackt, aber wie das mit Kind so ist, die Zeitrechnung ist eine andere. Deshalb spreche ich auch gerne von Kinderminuten und Kinderkilometern. Eine Erwachsenenminute entspricht momentan bei uns circa fünf Kinderminuten. Ein Weg von fünf Minuten ohne Kind wird mit Kind 25 Minuten lang. Ist das bei euch auch so? Jedenfalls waren wir dann nur in Potsdam und ich war ein bisschen enttäuscht. Sicher die Parkanlagen von Schloss Sanssouci sind beeindruckend ebenso wie die St. Nikolaikirche und das Landtagsgebäude, aber mir hat’s irgenwie nicht so gefallen.

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Schwer zu sagen, warum nicht. Auf dem Weg zur Nikolaikirche war mir der Sandstein etwas zu blank geputzt und die Flächen zu karg.

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Die Innenstadt streckt sich in die Länge und ist u.a. mit den üblichen Filialen des Einzelhandels bestückt.

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Der einzige Spielplatz, der uns über den Weg gelaufen ist, verdient seinen Namen nicht wirklich.

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Wahrscheinlich tue ich Potsdam verdammt unrecht tue, aber ich war hungrig und müde und wir haben eindeutig zu wenig Zeit mitgebracht. Dass Potsdam mehr zu bieten hat, daran habe ich keinen Zweifel, vor allem, wenn die Kinder etwas älter sind und sich für Märchenschlösser und Museen erwärmen können. Daher mein Tipp: Für einen Potsdambesuch vorher informieren, z.B. auf ytti.de, dem Empfehlungsportal für Familien & Kinder in Berlin & Brandenburg, und viel Zeit mitbringen! Mal eben Potsdam is‘ nich.

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Mit einem blumigen Foto aus dem Schlosspark von Sanssouci endet mein Bericht nun, lang ist er geworden, aber Berlin ist ja auch ne ziemlich fette Stadt und man kann unfassbar viele Eindrücke in vier Tagen sammeln! Vielleicht konnte ich Euch ja ein paar Anregungen und Tipps weitergeben. Freue mich, wenn ihr mir schreibt!

Liebe Grüße

Unterschrift Ruhrmama

Kategorie: Reisen, Unterwegs

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Essen, Ruhrgebiet, Deutschland, Europa, irgendwo auf der Welt: Eine Geographin, die mal Redakteurin war, ist neuerdings Mama, kann aber die Finger nicht vom Schreiben lassen.

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